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Die Welt will betrogen werden

- ALSO SEI SIE AUCH BETROGEN! So wurde im Dezember 2010 auf dem Radiosender Ö1 ein vor 500 Jahren lebender Papst zitiert.

 

Doch wer nun denkt, daß dieser Spruch im Mittelalter seine Berechtigung hatte und der Mensch von heute sich nun in einer voll aufgeklärten Gesellschaft befände, in welcher jedes Individuum frei seiner Meinung folgend unbeschränkten Zugang zu allen neuen Erkenntnissen und somit zum Wissen hätte, der irrt in höchstem Maße! Wir sind gelenkt und werden sogar noch mehr und stärker von außen beeinflußt als je zuvor!

 

Täglich ist man Einflüssen ausgesetzt, die den meisten Menschen schon gar nicht mehr bewußt sind: in den Zeitungen und in den elektronischen Medien werden uns „Expertenmeinungen“ vorgegaukelt, die unser Konsumverhalten beeinflussen sollten. Da ist ständig von „neuen Studien aus den USA“ zu lesen, von renommierten Wissenschaftlern die wieder einmal etwas Neues herausgefunden oder durch irgendeine neuartige Studie etwas bewiesen hätten.

 

Schon am Anfang meiner 20er Jahre, als ich aufgrund meiner Unerfahrenheit solchen Studien noch manchmal Glauben schenkte, fiel mir auf, daß umso mehr ich von ihnen laß, die Ergebnisse des öfteren sich genau diametral zueinander verhielten. Schon damals wandte ich mich deshalb von diesen inszenierten „revolutionären Neuerkenntnissen“ und falschen Augenauswischereien ab und erkannte die dahinter sich verbergende Willkür der Macher.

 

Auf Ö1 war im Zuge einer Buchbesprechung ebenfalls zu hören, daß zwei von dreien dieser sogenannten Studien sogar komplett falsch seien und sie sich zumeist untereinander sogar gegensätzlich verhielten. Was wurde schon alles über die Wirkung von Alkohol und Tabak erzählt? Da war man der Meinung, es sei in höchstem Maße schädlich, dann doch wieder nicht so sehr. Ab und zu ein Gläschen Wein ist gesund - oder jetzt doch wieder nicht? Und in den 60er Jahren behauptete eine Studie der Tabakindustrie, daß man zunehmend positive Eigenschaften des Rauchens entdecke (siehe Bild). Wenn man heute TV-Bilder oder Berichte aus den 60er Jahren sieht, dann fällt zB auf, daß es damals sogar vorkam, daß Ärzte mit Zigarrette in der Hand ordinierten.

 

 

Und auch sonst kann man im mittlerweile unüberblickbaren Gestrüpp von Studien allerlei Gegensätzliches lesen: Babies soll man schreien lassen, dann doch wieder sofort beruhigen. Fleisch ist ungesund, dann doch wieder unbedingt lebensnotwendig und in höchstem Maße gesund. Alkohol läßt die Gehirnzellen absterben, aber ein bißchen schadet das ja nicht.

 

Ein gutes Beispiel sind auch die ständig kursierenden Diät-Methoden und Fitnessprogramme. Fast jedes Jahr wird eine neue Methode des Fettabbaus erfunden, die sich dann doch nur wieder als ein getarnter Unsinn mit  Jojo-Effekt entpuppt. Von den „revolutionären“ Fitnessprogrammen, bei denen man sich nicht einmal mehr anstrengen braucht brauchen wir hier gar nicht zu reden, so offensichtlich ist dieser Unsinn - und doch fallen jedes Jahr unzählige Menschen wieder und wieder und wieder auf diesen Blödsinn herein - WARUM?

 

DIE MENSCHEN WOLLEN EXPERTENMEINUNGEN VORGEGAUKELT BEKOMMEN. DIE WELT WILL BETROGEN WERDEN - DARUM SEI SIE AUCH BETROGEN! Denn jeder kann sich unter den ganzen Meinungen der Experten genau die für sich passende heraussuchen, ungefähr so wie wenn man einkaufen geht: „Hmm, nehme ich jetzt diese Expertenmeinung oder diese? Welche paßt mir denn besser? Letztesmal nahm ich diese in mich auf, dieses mal nehme ich einfach eine andere und glaube sie.“

 

Besonders stark ist der Einfluß des TV auf die größte Schicht der Menschen. Da wimmelt es nur so von Menschen, die anscheinend „super“ sind. Die sind alle so „super“ und schön, daß man es kaum glauben kann. Nur mehr Superstars. Da fühlt man sich als „Normalo“ schon irgendwie fast zu minder im Vergleich zu all den „super-aussehenden“, „super-singenden“ und „einfach-irgendwie-super“ Super-Superstars! Bei so viel „super“ hat man schon den Eindruck, daß man als „nicht-super“ Normalmensch schon zu einer aussterbenden Rasse gehört und die Superstars bereits in der Überzahl sind. „Was, du bist nicht „super“? Wie langweilig!“ So beeinflußbar sind wir, daß wir das alles einfach so übernehmen und daran glauben. Drogensüchtige verurteilen wir und lehnen wir als Abschaum unserer Gesellschaft ab. Doch wenn eine Rockband Drogen nimmt, dann sind Drogen doch wieder irgendwie „cool“. Und sogar die englische Queen möchte die Hand eines dieser außergewöhnlichen und tollen (drogensüchtigen) Menschen schütteln und ihm dazu gratulieren. Das wirklich schlimme an der ganzen „Superstar“-Sache ist, daß die Menschen wirklich an so etwas glauben und es einen so starken Einfluß auf sie ausübt, obwohl jeder nach seiner Meinung befragt, sich selbst eigentlich als objektiv urteilend einschätzt und im Nachhinein immer schlauer ist.

 

Ich kann mich noch gut daran erinnern, da wurde uns in den 90er Jahren im Biologieunterricht gelernt: Fleisch ist ungesund und führt zu einer Verstopfung der Arterien und somit zu Herzinfarkt. Knapp 20 Jahre später ist der Fleischkonsum in Österreich auf seinem bisherigen Höhepunkt angelangt und in Österreich wird mehr Geld als je zuvor mit der Ausbeutung der Tiere gemacht. Deshalb heißt es jetzt plötzlich in der Werbung:

„Iß was gscheit`s, iß a Fleisch! Fleisch ist gesund!“ So einfach kann man es drehen und wenden, wenn es ums Geld geht

(siehe Zeitungsausschnitt Philipp Morris 1962, oben).

 

Gerne wird heutzutage die Expertenmeinung der Ärzte im Hinblick auf unsere Essgewohnheiten herangezogen. Der Arzt der selber gerne Bier trinkt findet dann, daß ab und zu ein Bier sogar nahrhaft und gesund sei, der Arzt der keines trinkt erklärt es gleich fürs reinste Gift und macht es verantwortlich für Schlaganfall und Herzinfarkt. Der Arzt der selber raucht findet, daß ein bißchen Rauchen keinesfalls schadet, ehe es der nächste für absolut tödlich und ursächlich für alle möglichen Krankheiten und Krebs erklärt. Als Beweiß für die Unschädlichkeit des Rauchens fällt fast jedem Raucher sofort ein Beispiel aus seiner Bekanntschaft ein, wo einer uralt wurde, obwohl er seit seiner Kindheit starker Racher war. Und alle die daran gestorben sind werden einfach ignoriert, denn es könnte ja auch an etwas anderem gelegen haben. Bitte jetzt nicht falsch verstehen: zu erklären, daß diese Dinge ungesund sind, erübrigt sich von selbst und sollten eigentlich für jeden logisch und einleuchtend sein. Aber besonders diese Dinge eignen sich sehr gut dazu, die unterschiedlichen Meinungen aufzuzeigen, die auftreten sobald jemand von einer vorgefaßten Meinung beeinflußt wird - sei es nun, weil er es selber gerne tut, oder weil er es einfach so sehen will, aus welchem Grund auch immer. So hat eine Person mir gegenüber auch schon behauptet, daß Vegetarier generell mit der Gesundheit ihrer Zähne zu kämpfen hätten, nur weil sie einen Vegetarier kennt, der schlechte Zähne hat und sie selbst keinesfalls auf Fleisch verzichten möchte.

 

Und manche Ärzte, die selber am liebsten Fleisch essen, erklären den Menschen unter den Tieren gleich zum totalen „Fleischfresser“, für den der Verzehr von Fleisch so essentiell sei, daß er keinesfalls länger ohne diesen überleben könnte. Als Beweis werden dann wieder allerlei Studien herangezogen und das Gebiß des Menschen als das eines Fleischfressers gedeutet - ehe dann der nächste Arzt wieder das genaue Gegenteil behauptet, weil er selbst Vegetarier ist oder ihm das Fleisch nicht besonders schmeckt und er deswegen darauf so gut es geht einfach verzichtet. Man sieht also: auch Ärzte sind nur Menschen und ihren eigenen Gewohnheiten, wechselnden Meinungen und verschiedenen Geschmäckern ausgesetzt.

 

Der Fehler hierbei liegt auch wieder in dem Verhalten der Menschen, die Meinung des Arztes ohne Kritik zu übernehmen, im Glauben, der Arzt sei in seiner Meinung unfehlbar, da er ja ein sogenannter „Experte“ auf diesem Gebiet ist. Doch daß es die selben Experten sind, die alle paar Jahre diametrale Studien veröffentlichen, den Rest der Welt somit an der Nase herumführt und zu dummen Konsumenten, gleich Zombies ohne eigenen Willen und ohne Meinung macht, bedenken nur die wenigsten. Der satirische Zombieklassiker von George A. Romero „Dawn of the Dead“ aus dem Jahre 1978 stellt diesbezüglich eine Allegorie auf den Kapitalismus und die Lenkbarkeit der Konsumenten dar, indem er die Zombies in einem großen Einkaufszentrum hirnlos herumlaufen läßt, wobei sich ihr Verhalten kaum von den noch nicht mit dem Zombievirus infizierten Menschen unterscheidet.

 

Im Hinblick darauf, daß ich für meine kurz vor diesem Bericht geschriebene „Oase der Wurschtigkeit“ ein Sawaki-Zitat verwendet habe, wobei mich einige Leser meines Artikels danach nach dessen Bedeutung fragten, da sie ihn für Nicht-Buddhisten eher verwirrend empfanden, möchte ich dem aufmerksamen Leser hiermit bitten, dieses Zitat im Hinblick dessen, was soeben in den obigen Zeilen von mir behauptet wurde, noch einmal zu lesen und dessen Bedeutung ein erneutes Mal zu hinterfragen, wobei diese Bedeutung sich nun als ein Leichtes zu erklären und sich für jeden zugänglich offenbaren sollte:

 

 

Wie Zombies in einem Kaufhaus:

Beeinflußbarkeit der menschlichen

Meinung durch Medien und Werbung

 

George A. Romeros

„Dawn of the Dead“

1978

Nichts in der Welt ist wirklich von Bedeutung:

Geld zählt nichts,

deine Karriere zählt nichts,

was dir schmeckt oder nicht,

ist unbedeutend.

Nichts ist uninteressanter als das,

was die Leute interessiert.

 

Kodo Sawaki, Buddhistischer Zen-Meister

Somit sollte sich auch die falsche Meinung erübrigen die manche nach dem Lesen der „Oase der Wurschtigkeit“ hatten, nämlich daß Buddhisten auch das Leid der anderen bzw der Tiere irgendwie „wurscht“ wäre, denn gerade die Befreiung vom Leid steht in dieser Religion mehr als in allen anderen im Vordergrund.

 

Auch die ganze Hetzkampagne gegen Ausländer, die in Österreichs Politik manchmal leider vorherrscht, wurzelt auf einer solche Beeinflussung und so macher wähnt um sich herum nur mehr feindliche Ausländer und bemerkt gar nicht, wie sehr er sich selbst dadurch bereits zum Ausländerfeind oder gar Rassisten entwickelt hat. Eine Frau aus einem Wiener Gemeindebau wurde kürzlich im Zuge einer „Kreuz u. Quer“ - ORF Sendung befragt und sie meinte sogar, daß ihr Hund um die Ausländer einen großen Bogen mache und sich nicht von Türken streicheln ließe, ehe die Kamera sie und ihren Hund wenige Minuten später inmitten junger Türken wiederfand, die den kleinen Wauzi heftig liebkosten und streichelten, was dem Hund auch sichtlich gefiel.

 

Für alle Menschen, die sich für das Wohl der Tiere einsetzen, gegen eine Ausbeutung der Tiere sind und deshalb auf den Konsum von Fleisch verzichten wollen, sollte gelten: VERZICHTET AUF FLEISCH NICHT DESHALB, WEIL ES GESÜNDER FÜR EUCH SEI: VERZICHTET DESHALB, WEIL IHR NICHT WOLLT DASS EURETWEGEN TIERE GETÖTET WERDEN! Ob gesund oder ungesund, gestorben ist noch keiner deshalb, weil er kein Fleisch gegessen hat und wie die Wahrheit nun aussieht und ob Fleisch gesund ist oder nicht, das möchten wir an dieser Stelle gar nicht beurteilen, denn das ist uns ehrlich gesagt „wurscht“. Aber eines ist sicher: aus ethischer und moralischer Sicht ist der Verzicht auf Fleisch eines der edelsten Taten die man für die Tiere vollbringen kann, ein wichtiger Schritt in Richtung einer weniger grausamen Welt und ein liebevolles Geschenk an unsere Brüder und Schwestern, den Tieren.

 

So einfach wird der Mensch beeinflußt:

 

Als „gesund“ gilt immer dasjenige, das einigen wenigen Menschen und Machthabern nützt und ihnen viel Geld einbringt. Und wenn es kein Geld bringt oder etwas anderes mehr Geld einbringt, dann wird es einfach wieder für ungesund erklärt!

 

Denn aufgrund seines Egos kann der Mensch gar nicht anders, als immer nur das zu glauben, welches er  als das Beste für ihn selbst und somit für seinen eigenen Vorteil wähnt.

 

R.P. (Dezember 2010)

Nachricht von gestern: auch heute existieren solche Dinge noch, ohne daß wir es merken wie wir in unserem Verhalten davon beeinflußt werden.