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Moral

- Versuch einer Auseinandersetzung mit dem Begriff der Moral, wie man sie im täglichen Leben im Umgang mit den Mitmenschen wiederfindet

Eine Moral ohne Begründung, also bloßes Moralisiren, kann nicht wirken; weil sie nicht motivirt. Eine Moral aber, die motivirt, kann dies nur durch Einwirkung auf die Eigenliebe. Was nun aber aus dieser entspringt, hat keinen moralischen Werth. Hieraus folgt, daß durch Moral, und abstrakte Erkenntniß überhaupt, keine ächte Tugend bewirkt werden kann; sondern diese aus der intuitiven Erkenntniß entspringen muß, welche im fremden Individuo das selbe Wesen erkennt, wie im eigenen.

Arthur Schopenhauer; Die Welt als Wille und Vorstellung §. 66.

Vorbemerkung: dies ist ein philosophischer Artikel. Bestenfalls soll er dem Menschen einen Spiegel vorhalten, keinesfalls darf man ihn jedoch als Klage über die Menschheit oder über einzelne Individuen und deren Verhalten verstehen. Die Kenntnis einiger philosophischer Schriften, insbesondere der Schriften Schopenhauers (Die Welt als Wille und Vorstellung; Die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde) werden zum Teil vorausgesetzt, um das im folgenden Beschriebene nicht mißzuverstehen und eine Diskussion auf einer falschen Ebene zu führen. Die Begriffe „gut“ und „schlecht“ werden hier nicht berücksichtigt und es wird auch nicht über einzelne Handlungen geurteilt. Der Artikel dient nur einer nüchternen philosophisch-psychologischen Betrachtung des Menschen oder mit anderen Worten: nach diesen Motiven handeln die (wir) Menschen.

 

Arbeitet man für eine gemeinnützige Organisation, wird man unweigerlich mit dem Begriff der Moral konfrontiert. Im täglichen Leben manifestieren sich unterschiedliche Handlungsweisen verschiedener Individuuen, auch wenn jedes Individuum einzigartig ist, triff man trotzdem immer wieder auf sich sehr stark ähnelnde Persönlichkeiten, Motive, Aussagen und Verhaltensweisen, verursacht durch die Individuation bzw wie Schopenhauer sie nennt: das principium individuationis. Ich selbst war immer schon ein Mensch, der sich für das WARUM-WIESO-WESHALB solcher Sachen interessierte und dem es nicht einfach nur genügte, zur Kenntnis zu nehmen wie die Menschen sind ohne nach den Ursachen zu fragen oder sie zumindest weiter zu erforschen. Auch Tierschutz nur als Hobby ohne Begründung war mir persönlich immer schon zu wenig. Ich möchte wissen warum ich das tue und ich mache dies eigentlich alles nur aus einer inneren Überzeugung heraus, für die ich früher nie die richtigen Worte fand. Für meine Person selbst spielte der Tierschutz als bloßes Wort und Begriff nie eine Rolle und meine eigene Person war mir in dieser Hinsicht auch immer schon unwichtig, auch das Retter- und Helfersyndrom hatte ich nie. Ich wollte einfach nur den Wesen die mir begegneten helfen und ihr Leid etwas lindern, ihnen dabei behilflich sein und dann wieder in den Alltag übergehen, ohne danach darüber nachzudenken ob mein Helfen nun gerade „nett“ von mir war oder nicht, denn diese Frage entsprach noch nie meiner Gesinnung und ich stellte mir nie die Frage, ob ich deswegen nun ein guter Mensch sei oder nicht. Genauso ausgeprägt, wenn nicht sogar noch sehr viel stärker, ist dies bei unserer Tiermutter und Obfrau Doris: sie möchte einfach nur im Hintergrund den Lebewesen helfen ohne dabei aufzufallen und Dank möchte sie dafür erst recht keinen, nur sonst will sie ihre Ruhe haben, vor allem vor den Problemen und Streitigkeiten der Menschen, welche sie sich täglich ständig selbst verursachen. Auch die vielen Nachteile für ihr eigenes Leben nimmt sie stets als selbstverständlich hin ohne je daran zu zweifeln ob ihre Art zu leben richtig sei, auch wenn sie gesundheitlich oft unter der harten körperlichen Arbeit leidet.

 

 

Menschliche Moral allgemein

 

Tierlieben Menschen falsche Etikette zu verpassen findet leider immer noch häufig statt. Wie sich die Tierliebe bzw die Liebe und das Mitgefühl für andere Wesen erklären läßt, hat Schopenhauer in seinem Hauptwerk am besten begründet und wird weiter unten noch zu einer ausführlicheren Beschreibung kommen. Im Alltag trifft man bei den Menschen jedoch hauptsächlich auf große Egos, hauptsächlich bedingt durch ein Gefühl der Lebensangst. Auch die Lebenslüge ist in fast jedem Menschen so stark präsent, daß man bei fast jedem eine entdecken kann. Zu begründen sind solche Lebenslügen, mit denen sich die Menschen selbst belügen, damit sie nicht ihr wahres Gesicht im Spiegel erblicken, durch die psychologischen Abwehrmechanismen, wie sie von Sigmund und Anna Freud in ihren Schriften und Lebenswerk ausführlich erforscht und dargestellt wurden. Am auffallendsten sind solche Lebenslügen bei einfachen Menschen. Wenn man selbst so wie ich das mehr oder weniger große Vergnügen hatte, über ein Jahrzehnt ein Kaffeehaus zu betreiben, kann man viel über diese Dinge lernen. Der für seine unverhohlene Direktheit bekannte österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros hat in einem seiner Lieder trefflich getextet:

 

„Im Wirtshaus triff i immer einen, der weiß Gott was erzählt:

Er is so guat, er is so reich, er kennt die ganze Welt!

In Wirklichkeit is er a Sandler, hocknstad und dauernd fett,

Es letzte Weh in meine Augen, na i pock eam ned!“

 

(„Im Wirkshaus treff ich immer einen, der weiß Gott was erzählt:

Er ist so gut, er ist so reich, er kennt die ganze Welt!

In Wirklichkeit ist er ein  Obdachloser, arbeitslos und dauernd betrunken,

Das letzte Leid in meinen Augen, nein ich mag ihn nicht!“)

 

Wie sehr dieser Text auf die täglichen Begegnungen in einem Wirtshaus zutrifft ist erstaunlich. An jeder Bar sitzt verlässlich einer dieser Menschen und meistens sind es wirklich arbeitslose Alkokranke, welche damit angeben wie fleissig sie sind und wie sehr ihnen ihre harte Arbeit Spaß macht. Auch das „Bürgermeister-Syndrom“ findet dort ständig einen seiner Vertreter. Dieser weiß dann überhaupt alles von der Welt und hat für alle Probleme die passende und meist auch noch sehr einfache Antwort parat.

 

Siehe hierzu Schopenhauer über die Meinung der Leute:

 

„Außerdem ist ja, was in einem fremden Bewußtseyn vorgeht, als solches, für uns gleichgültig, und auch wir werden allmälig gleichgültig dagegen werden, wenn wir von der Oberflächlichkeit und Futilität der Gedanken, von der Beschränktheit der Begriffe, von der Kleinlichkeit der Gesinnung, von der Verkehrtheit der Meinungen und von der Anzahl der Irrtümer in den allermeisten Köpfen eine hinlängliche Kenntnis erlangen und dazu aus eigener Erfahrung lernen, mit welcher Geringschätzung eigentlich von jedem geredet wird, sobald man ihn nicht zu fürchten hat oder glaubt, es komme ihm nicht zu Ohren; insbesondere aber nachdem wir ein Mal angehört haben, wie vom größten Manne ein halbes Dutzend Schafsköpfe mit Wegwerfung spricht.“

 

Der psychologische Selbstschutz dieser Menschen kehrt ihre Meinung über sich selbst um, Arbeitslose halten sich dann für wahre „Helden der Arbeit“ und zügellose Trinker glauben das Leben bestens im Griff zu haben und in Wirklichkeit verkannte Genies zu sein, die nur das Pech hatten nicht zum Bundeskanzler oder Präsidenten gewählt worden zu sein, obwohl sie es eigentlich verdient hätten. Sogenannte Wirtshaus- und Stammtischgespräche sind jedoch nicht die Ausnahme oder ein Sonderfall menschlichen Benehmens, die Menschen sind überall die gleichen, nur die Reize auf die sie treffen ändern ihre Motive und lenken es in eine andere Bahn. Im täglichen Leben und in allen Bereichen des selben trifft man immer auf die gleichen Persönlichkeiten und auf ihren ständigen Kampf mit ihrem eigenen Ego.

 

 

Moral im Tierschutz

 

Im Tierschutz-Alltag begegnet man täglich sehr vielen verschiedenen Menschen mit unterschiedlicher Gesinnung, auch solchen, die unbedingt irgendwie mithelfen möchten:

 

 

Erster Typus: wirkliche/ehrliche Helfer:

 

Instinktiv und meist ohne es in Worten genau begründen zu können, betrachten sie fremdes Leid wie ihre eigene Sache. Verzichten ist für sie kein Problem und sie empfinden Freude daran zu geben und anderen damit ebenfalls eine Freude zu bereiten indem sie das Leid für sie lindern („Alle Liebe ist Mitleid“ Schopenhauer - Welt als Wille und Vorstellung). Sie möchten von uns wissen, wie sie am effektivsten ihren Beitrag leisten können und sehen es sofort ein, daß man mit Sachspenden wie alten Decken und verdorbenen Lebensmitteln keinen Tierarzt, kein Futter und Medikamente, keine gesetzlichen Steuern, Werkzeug, Löhne und Benzin bezahlen kann und daß ohne diese Dinge kein Tierheim, kein Gnadenhof und überhaupt kein Tierschutz möglich wäre. Sie ermöglichen es durch ihre Mitgliedschaftsbeiträge, Patenschaften und freiwilligen Spenden erst unsere Arbeit zu finanzieren um diesen armen Geschöpfen zu helfen und auch ihnen eine Chance auf ein glückliches Leben in dieser Welt zu ermöglichen. Diese Menschen sind faszinierend, vor allem da sie nur sehr selten anzutreffen sind, meist sind es sehr bescheidene, ruhige und unauffällige Menschen. Manche von ihnen spenden sogar anonym um nur ja nicht in die Situation zu kommen, daß man sich bei ihnen bedankt, was sie in Verlegenheit versetzt, so selbstlos und uneigennützig ist ihre Einstellung. Ihnen geht es nur um das Wohl anderer und darum, das Leid in dieser Welt zu mindern. Dies trifft natürlich nicht nur auf den Tierschutz zu, man findet solche Menschen in allen Bereichen in denen wohltätige Arbeit geleistet wird, zB für Kinder, kranke/arme/alte Menschen etc. Auch die Unterscheidung zwischen Menschen und Tieren ist für sie nicht vorhanden, für sie gibt es nur gleichberechtigte LEBEWESEN und sie urteilen nicht nach Werten. Ein Argument, welches übrigens das Ego eines Menschen mit Sicherheit entlaft, ist jenes, welches fordert daß man besser den Menschen helfen soll, anstatt den Tieren. Für solche Menschen zählen nur die Menschen und allen anderen Lebewesen wird die Empfindungsfähigkeit und das vorhandene Leid einfach abgesprochen und weggeleugnet bzw für weniger wichtig erklärt, sie halten sich selbst und die Menschen also für am wichtigsten. Sie wiegen dieses Leid mit jenem auf und schaffen damit damit wieder Gegensätze, Ausgrenzungen und neues Leid. Im Normalfall sind diese Menschen in Wirklichkeit in keiner Weise am Helfen involviert, sondern benutzen das Leid anderer nur dazu, um darüber Diskussionen zu entfachen und Zwietracht unter den Menschen zu sähen, um sich selbst und ihrem Ego einen neue Plattform bzw Showbühne zur eigenen Darstellung zu ermöglichen.  

 

 

Zweiter Typus: vermeintliche Helfer mit Showcharakter und Selbstdarsteller:

 

Zu ihnen gehören auch vor allem Menschen, welche sich aufgrund ihrer tief empfundenen Lebensangst an jeden Eurocent wie an ihren letzten rettenden Strohalm klammern und stets unter langem Herumdrücken und Handeln, immer nur das beste Geschäft für sich selbst abzuschließen versuchen, was in vielen Fällen sogar ins Absurde führen kann. Schon nach wenigen Minuten hat man bei ihnen das Gefühl, als würden sie hinter den Mauern des Bergfrieds einer Ritterburg hervorsprechen, immer mißtrauisch und nur nach dem eigenen Vorteil trachtend, ohne jedes Interesse für das WARUM-WIESO-WESHALB. Gemeinnützigkeit und Eigennutz sind ihnen einerlei, ob das Geld für arme Lebewesen zum Wohle gereicht oder ob es nur als Gewinn einer Firma dient ist ihnen egal: „Was bekomme ich dafür und wie viel „kostet“ es“ sind ihre einzigen Interessen. Oft liegt der von ihnen angestrebte Eigennutz zuerst noch im Verborgenen, welcher sich erst nach einer Weile des Gesprächs offenbart und zum Erkennen gibt.

 

Eine Frau mit ihrem Hund besuchte uns zB sehr häufig. Sie betonte stets ihre Bewunderung für unsere Arbeit und wie wichtig dies alles sei. Bei der Frage jedoch, ob sie uns mit einer Mitgliedschaft unterstützen möchte, entgleisten ihr jedes mal alle Gesichtszüge, sie rang nach Worten, mußte Schlucken und ihr Atem beschleunigte sich merklich. „Nein, für so etwas habe ich leider kein Geld“ meinte sie merklich nervös nach längerem Herumgestammel. Statt dessen brachte sie uns aber bei jedem Besuch Süßigkeiten oder Wein in Flaschen mit, welche sie uns schenkte und welche wahrscheinlich mehr gekostet haben als wenn sie bei uns eine Mitgleidschaft mit 10,- Euro monatlich abgeschlossen hätte. Daß ihre Geschenke mehr kosteten, uns aber im Gegenteil zu einer Spende oder Mitgliedschaft nicht den geringsten Nutzen für unsere Tierschutzarbeit brachten, verstand sie nicht. In Wirklichkeit erhoffte sie sich für ihre Geschenke, daß wir in Zukunft auf ihren Hund aufpassen wenn sie in Urlaub fährt und ihre gespielte Bewunderung für unsere Arbeit war nur eine zusätzliche Schmeichelei und nur Mittel für diesen Zweck, denn bevor sie auch nur einen Cent für unsere Tiere ausgab, investierte sie das Geld lieber in nutzlose Schmeicheleien um uns gut für ihr Anliegen zu stimmen. Als wir wirklich einmal die Zeit hatten um für eine Familie aufgrund eines Urlaubs auf ihren Hund 10 Tage lang aufzupassen, erhielten wir zum Dank eine kleine Schachtel Pralinen - sogar das Dosenfutter für den Hund hat in den 10 Tagen deutlich mehr gekostet als diese Süßigkeiten um 2,50 Euro. Als Dank den Verein mit einer frewilligen Spende zu unterstützen, welche dann wieder den Tieren zugute kommt, kam man aber leider nicht sondern suchte danach nur so schnell wie möglich das Weite.

 

Der rechten Gesinnung muß also auch die rechte Einsicht vorausgehen. Wenn diese fehlt, kann man von Menschen nicht mehr erwarten als die oben geschilderte Verhaltensweise. Diese äußert sich auch im Konkreten anhand folgendem Beispiel: wenn manchmal minderjährige Menschen unbedingt bei uns Mitglied werden und mithelfen möchten, aber ihr Vormund, also ihre Eltern, dagegen sind. Zeitweise besuchen uns diese jungen Menschen fast täglich an mindestens 5 Tagen in der Woche, gehen mit Hunden und Ponys spazieren und lernen allerlei Nützliches über ihre fühlenden Mitlebewesen. Wenn sie dann ihre Eltern mitbringen, interessieren diese sich meist gar nicht für die Tiere oder die Freizeitbeschäftigung ihrer Kinder und was sie so die ganze Woche über bei uns treiben. Soche Eltern sind dann nur daran interessiert, ein günstiges Geschäft für sich selbst abzuschließen. „Was muß man für die Mitgliedschaft meines Kindes mindestens bezahlen und wie lange ist sie dann gültig? 10,- Euro im Monat! Das geht sich neben dem Klavierunterricht aber nicht mehr aus, das ist zu teuer!“ Dieser Unterricht kostet immerhin mindestens 20,- Euro pro Stunde und im Gegensatz zum in ihren Augen unnützen „Tierestreicheln“ verspricht eine erlernte Fertigkeit am Instrument weitaus bessere Aussichten darauf, die eigenen Kinder mit Stolz einem Bekannten- und Verwandtenkreis vorzuführen, als nur damit, daß sie in ihrer Freizeit „Tiere streicheln“. Auch hier kann man also immer den Eigennutz gut erkennen, welcher für solche Menschen unbedingt vorhanden sein muß. Dann ist auch die Höhe der Kosten nicht mehr so wichtig und es darf dann ruhig pro Stunde das Doppelte kosten, wofür sonst die Hälfte für einen ganzen Monat ausreichend gewesen wäre und womit zugleich das Leid für andere gemildert worden wäre, womit also niemand sonst einen Gewinn damit erlangt hätte. Die Eltern dieser Kinder lauern dann stets darauf, daß ihr Kind das Interesse verliert und warnen uns auch im Vorhinein schon vor diesem Tage. Sie bestehen darauf, den Mitgliedsbeitrag nur in Bar jeden Monat selbst vorbeizubringen, da sie mißtrauisch sind und sich im jeden Fall ein problemloses Hintertürchen offen halten wollen, damit sie ja keinen Euro mehr bezahlen müssen, als dafür nötig ist, damit sich ihr Kind die ganze Woche bei uns aufhalten kann. Uns zu glauben, daß wir unseren Verein seriös betreiben, weshalb es keine Klauseln oder Kleingedrucktes bei uns gibt und eine Kündigung der Mitgliedschaft ohne Begründung jederzeit und ohne Einwand von uns möglich ist, verhindert ihre Lebensangst.

 

Auch unser Tierschutzflohmarkt ist eine günstige Plattform, um die Unterschiede in der Moral der Menschen offensichtlich zu machen. Dieser wird vorrangig von 2 unterschiedlichen Gesinnungsarten heimgesucht. Die einen sind Menschen, welche sich eigentlich nicht für den Flohmarkt im besonderen interessieren, als viel mehr daran, daß es hier um eine wohltätige Sache geht. Sie durchstöbern den Markt und finden sie nichts passendes, möchten sie trotzdem mit ihrem Geld helfen und spenden auch ohne etwas für sich gefunden zu haben. Die zweite Gattung sind Menschen, welche sich nicht im Geringsten dafür interessieren, WARUM-WIESO-WESHALB dieser Flohmarkt stattfindet. Sie durchstöbern aufmerksam jedes Regal und finden sie etwas für sich Interessantes, wird erst einmal nach dem Preis gefragt, danach sogar noch darüber verhandelt. Hierbei ist es keine Seltenheit, daß jemand sogar einen Preis von nur 2 Euro auf 1,50 Euro herunterhandeln möchte um ein besseres Geschäft für sich zu erzielen. „Mit 0,50 Euro den Tierschutz unterstützen? Nein danke! Was habe ich denn davon, ich bekomme dafür ja nichts!“ Hauptsache ist, man hat ein gutes Geschäft für sich selbst abgeschlossen. Und anschließend gehen diese Menschen dann ins Kaffeehaus, trinken einen oder zwei Kaffee, rauchen ihre Zigaretten, bezahlen ihre Rechnung und geben dem Kellner ein Trinkgeld weil man das „so macht“. Sie tun es vorrangig also wieder für sich selber, auch nicht dem Kellner zuliebe, für ihr Selbstbild war es nämlich wichtiger sich vor dem unbekannten Kellner in ein positives Licht zu stellen, als vor den Tierschützern am Flohmarkt, denn auf einem Flohmarkt muß alles so billig wie möglich sein, weil man das halt „so macht“. „WARUM-WIESO-WESHALB? - Mir doch egal und hinter mir die Sintflut, denn Hauptsache mir geht es gut!“

 

"Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - und das nennen sie ihren Standpunkt."
Albert Einstein

 

Ein weiterer Typus solcher Menschen, sind die Selbstdarsteller. Da geht es vorrangig um die Show und darum, eine möglichst gute Meinung in den fremden Köpfen anderer von sich selbst zu bilden. Diese Menschen stellen sich sehr oft als unglaublich großzügige Helfer und Retter dar, sind es in Wirklichkeit aber nicht im Geringsten. Dieser Typus von Mensch ist also eigentlich nur wieder der oben geschilderte Stammtischprediger und selbsternannte „Held der Arbeit“: das Gegenteil seiner Worte entspricht meistens der Wirklichkeit und seine Selbstdarstellung grenzt ans Absurde.

 

„Die Worte der Menschen sind für nichts zu achten, kaum daß man ihren Taten trauen darf.“

Königin Christine von Schweden

 

Im Gegensatz zum Betrunkenen an der Bar, finden sich unter ihnen manchmal sogar wirklich wohlhabende oder sogar reiche Leute als vorzügliche Selbstdarsteller. Einmal besuchte uns eine Millionärsfrau mit ihrem Gatten. Sie behauptete, selbst ein großes Herz für Tiere zu haben und daß sie sich selbst am liebsten einen Bauernhof kaufen und ihn wie das Gut Aiderbichl verwenden würde, hätte sie nur mehr Zeit neben ihrer harten Arbeit. Stattdessen wollte sie fortan lieber unseren Verein mit ihrem Geld unterstützen und sie beteuerte beim Abschied gleich mehrmals ihre Bewunderung und daß wir ab sofort ganz fest auf sie zählen könnten und sie schon ab nächster Woche bei uns ein festes Mitglied sein würde. Sie stieg in ihr Auto und wir haben sie nie wieder gesehen, noch etwas von ihr gehört. Auch ihr ging es wohl vor allem nur darum, einen Moment der Selbstdarstellung als großzügige Persönlichkeit mit sehr viel Herz für sich selbst auszukosten. Diese Art der Darstellung betrifft aber nicht nur Millionäre.

 

Unser Werner, der Ehemann von Tiermutter Doris, ist Menschen gegenüber ein sehr hilfsbereiter Kerl und unterstützt viele Leute bei ihrer Arbeit. Dabei macht er dies immer gratis und verlangt dafür kein Geld, auch wenn er es leicht könnte. Stattdessen sagt er immer nur, daß die Menschen zum Dank mit einer Mitgliedschaft unseren Tierschutz unterstützen sollten - ohne bisher einen einzigen Erfolg zu verbuchen. Bevor manche Menschen also einen wohltätigen Verein mit einer freiwilligen Spende unterstützen, möchten sie wohl lieber eine sehr viel höhere Rechnung von ihm erhalten, wahrscheinlich nur deshalb, weil sie in ihrem Kopf wieder den Gedanken: „Ich bezahle für etwas, das ich erhalten habe“ besser einordnen können, als den Gedanken: „Ich schenke jemandem Geld für eine gute Sache, obwohl ich es eigentlich gar nicht müßte und es kein Gesetz gibt das mich dazu zwingt“. Dies reicht also für diese Menschen schon aus, lieber gleich gar nichts zu bezahlen als anderen Lebewesen mit ihrem Geld zu helfen.

 

Vor allem die Menschen, welche am meisten von unserer Arbeit schwärmen, sind es, welche am wenigsten dazu bereit sind wohltätige und uneigennützige Vereine zu unterstützen, indem sie selbst auch nur einen winzig kleinen Beitrag dafür leisten. Mehrmals wiederholte Beteuerungen werden gerne von ihnen ausgesprochen, zB daß man  „unbedingt auch Mitglied werden möchte“ woraufhin diese Menschen danach aber nie mehr gesehen werden und man manchmal den Eindruck hat, daß umso ausdrücklicher sie ihre eigene Unterstützung anpreisen, sie in Wirklichkeit in ihrem Inneren genau das Gegenteil damit ausdrücken wollen. Auch die ausgeprägten Tierschützer, welche den Tierschutz quasi vorgeben zu leben und sich selbst als ganz große Tierschützer präsentieren, in Wirklichkeit aber nicht bereit sind auch nur einen einzigen Euro dafür auszugeben, gehören hier her. Um ihr eigentlich gar nicht stattfindendes Engagement vor sich selbst zu verbergen, stellen sie sich dafür kritisch und mißtrauisch, sie rationalisieren ihre Tatenlosigkeit damit, daß ihnen niemand es recht macht und sie selbst alles viel besser machen würden, hätten sie nur die Möglichkeit etwas eigenständiges und neues für den Tierschutz zu schaffen. Daß ihr Traum vom eigenen Gnadenhof aber in den allermeisten Fällen unerfüllt bleiben muß oder in manchen Fällen sogar als Katastrophe aufgrund der eigenen Selbstüberschätzung enden könnte, wollen sie natürlich nicht wahrhaben und so bleiben sie ein Leben lang tatenlos und sehen zu, während sie sich vor sich selbst und vor anderen für ihren „Einsatz“ sogar loben, als würden ihre positiven Gedanken bereits das Tierleid deutlich mildern.

 

Auch der Typus des selbsternannten Mithelfers diverser Tierschutzvereine und anderer Organisationen gehört hier her, welchem es vorrangig um einen großen Auftritt geht und welcher in Wahrheit nicht einmal Mitglied in einem dieser Vereine ist und diese nur dazu benutzt, um für sich selbst eine zusätzliche Identität und eine billige Freizeitbeschäftigung zu finden, wobei er sich bei „seinen“ Vereinen dann meist nur kaffeetrinkend und rauchend aufhält und den Tieren beim Spielen zusieht, während er sich vor seinen Mitmenschen aber über die harte Arbeit aufgrund seines freiwilligen Einsatzes für den Tierschutz beklagt. Auch Mitglieder, welche in einem Tierheim nur einen Spielplatz für ihren Freizeitaufenthalt sehen und sofort ihre Mitgliedschaft kündigen möchten, wenn man sie um die Einhaltung bestimmter Vorschriften bittet, gehören hierher. Wenn zB das Spazierengehen mit den eigenen Hunden vor allen anderen Hunden des Tierheims untersagt ist, weil es zu einer enormen Stressbelastung dieser Tiere führt und zusätzlich zu einer erheblichen Lärmbelästigung für die gesamte Umgebung, mit damit verbundenem Streit mit der Nachbarschaft. Dann stellt man einfach seine monatlichen Zahlungen ein, als Strafe für die bösen Mitarbeiter die einen auf solche Regeln hinweisen, welche damit aber eigentlich nur ihre Tiere schützen wollten und wofür etwas Einsicht und ein kleiner Verzicht gefordert gewesen wäre. Daß sie mit ihren Zahlungen nicht die Menschen sondern diese Tiere unterstützt haben ist ihnen genauso wenig bewußt, wie daß ein Tierschutzverein vorrangig auf das Wohl seiner Schützlinge bedacht sein muß, anstatt auf die uneingeschränkte Unterhaltung seiner Mitglieder.   

 

Eine weitere psychologische Verkehrung ins Gegenteil findet übrigens bei Männern häufig statt. Man trifft dann auf den harten Kerl, der ständig über „das Sauviech“ zuhause schimpft und damit seinen Hund oder seine Katze meint. In Wirklichkeit liebt er sein Haustier abgöttisch und stirbt es eines Tages, trifft es ihn besonders hart. Vor den Menschen muß aber wohl irgendwie die Fassade des harten Familienoberhauptes und Mannes gewahrt bleiben, weshalb dann wohl auch diese „coolen“ Sprüche getätigt werden müssen, damit nur niemand erkennt, daß dieser Mensch auch Gefühle hat oder sogar Mitleid empfinden kann, was ja in Wirklichkeit eigentlich positiv zu bewerten wäre und viel eher das Gegenteil einen Menschen mit Scham erfüllen sollte.

 

Eine Sonderstellung bezüglich versteckter Motiven und absurdem Verhalten verdient die eigene Verwandtschaft der meisten Menschen. Zumindest in unserer Kultur ist hier meistens ein nahezu undurchsichtig gewordenes Gestrüpp von Mißgunst, Eifersucht und Neid vorhanden, verdeckt von vordergründig gespielter Freundlichkeit und Zuwendung. Während in manch anderen Kulturen die Armut die Verwandschaft enger zusammenrückt, muß man in wohlhabenden Kulturen wie der unseren beinahe schon froh darüber sein wenn man von seinen Verwandten in Ruhe gelassen wird, es sei denn man ist gerne von Personen umgeben, die nur darauf warten das eigene Unglück und Scheitern aus nächster Nähe beobachten zu können. So ist es auch nicht verwunderlich, daß auch in unserer Familie nur bis zum direkten Verwandschaftsgrad Mutter-Kind eine Zuwendung zum Tierschutz vorhanden ist und man vom Rest nicht mehr zu erwarten hat als in dieser Hinsicht hoffentlich nicht behindert zu werden und man in manchen Fällen sogar froh sein muß wenn sie keinem Tier Leid zufügen oder wir zumindest nicht davon zu hören bekommen, was sie so treiben. Unterstützung darf man sich am wenigsten von den eigenen Verwandten erwarten, egal ob im Tierschutz, als selbständig Gewerbetreibender oder sonst in seinem Leben. In unseren Breiten scheint jedoch auch ein Zusammenhang mit Reichtum und Armut zu bestehen und je ärmer eine Familie und ihre gesamte Verwandschaft ist, desto stärker ist auch der Zusammenhalt unter ihnen. Geht es allen Verwandten gut, ist die gegenseitige Mißgunst dafür wieder um so größer. Warum dies so ist und welche weiteren versteckten Motive zu solch unnützer Absurdität führen, sollte vielleicht bei Gelegenheit einmal genauer erforscht werden.

Die Moral eines Menschen ist zu beurteilen nach der Fähigkeit,

welch großes Opfer er zu bringen bereit ist,

ohne dabei an eine Gegenleistung zu denken.

Konrad Lorenz

Fremdes Leid ist eigenes Leid

 

„Will man wissen, was die Menschen, moralisch betrachtet, im Ganzen und Allgemeinen werth sind, so betrachte man ihr Schicksal, im Ganzen und Allgemeinen. Dieses ist Mangel, Elend, Jammer, Quaal und Tod. Die ewige Gerechtigkeit waltet: wären sie nicht, im Ganzen genommen, nichtswürdig, so würde ihr Schicksal, im Ganzen genommen, nicht so traurig seyn. In diesem Sinne können wir sagen: die Welt selbst ist das Weltgericht. Könnte man allen Jammer der Welt in EINE Waagschale legen, und alle Schuld der Welt in die andere; so würde gewiß die Zunge einstehen.“

 

„Denn wie auf dem tobenden Meere, das, nach allen Seiten unbegränzt, heulend Wasserberge erhebt und senkt, auf einem Kahn ein Schiffer sitzt, dem schwachen Fahrzeug vertrauend; so sitzt, mitten in einer Welt voll Quaalen, ruhig der einzelne Mensch, gestützt und vertrauend auf das principium individuationis, oder die Weise wie das Individuum die Dinge erkennt, als Erscheinung. Die unbegränzte Welt, voll Leiden überall, in unendlicher Vergangenheit, in unendlicher Zukunft, ist ihm fremd, ja ist ihm ein Mährchen: seine verschwindende Person, seine ausdehnungslose Gegenwart, sein augenblickliches Behagen, dies allein hat Wirklichkeit für ihn: und dies zu erhalten thut er Alles, solange nicht eine bessere Erkenntniß ihm die Augen öffnet.“

 

„Dem wahren Wesen der Dinge nach hat Jeder alle Leiden der Welt als die seinigen, ja alle nur möglichen als für ihn wirklich zu betrachten, solange er der feste Wille zum Leben ist, d.h. Mit aller Kraft das Leben bejaht.“

Die Welt als Wille und Vorstellung §. 63.

 

Menschen, die armen Lebewesen helfen, handeln meist instinktiv selbstlos. Sie fühlen, ohne es für sich selbst in Worten ganau beschreiben zu können, daß auch das fremde Leid ihre eigene Person betrifft und unsere Welt ein einziges großes Ganzes bildet. Und diese unsere Welt ist keineswegs ein so wunderschöner und friedlicher Ort, wie er sich in der eigenen Phantasie manchmal gerne darstellen möchte. Wir haben das große Glück, zufällig in einer friedlichen Gegend als Menschen geboren worden zu sein und die meisten von uns leiden auch noch trotz dieser optimalen Voraussetzungen an einem jämmerlichen Leben, voller Jammer, Sorgen und unerfüllt gebliebener und zumeist auch nutzlos-egoistischer Wünsche. Was wir anderen aufgrund unseres Egos antun, indem wir stets nur auf unser eigenes Wohlergehen selbst bedacht sind und auf alle anderen leidenden Lebewesen um uns herum vergessen, fällt auf unsere gesamte Welt und damit auch wieder auf uns selbst zurück. Deshalb ist diese Welt ein so schrecklicher Ort in welchem Jammer, Quaalen und Tod allgegenwärtig sind und es auch für immer bleiben werden. Für die rechte Gesinnung ist vor allem zuerst die rechte Einsicht notwendig - und diese haben nur die allerwenigsten und vom Rest der Welt kann und wird sie (scheinbar) nicht so ohne weiteres erlangt werden.

 

„Es zeigt sich, wie nicht nur Jeder dem Andern zu entreißen sucht was er selbst haben will; sondern sogar oft Einer, um sein Wohlseyn durch einen unbedeutenden Zuwachs zu vermehren, das ganze Glück oder Leben des Andern zerstört.“

Die Welt als Wille und Vorstellung §. 61.

 

HAUS DER TIERE; Roman Pellegrini 2014